Sonntag, 27. Juni 2021

Brief an Angela Merkel zur Sperrklausel bei Wahlen

 Sehr geehrte Frau Merkel,

nun geht Sie also dem Ende entgegen - Deutschlands lange "Ära Merkel". Was sie selbst empfinden, wenn Sie daran denken, das vermag ich nicht zu urteilen. Was mich betrifft, so schaue ich mit einer Mischung aus Unbehagen und Zuversicht auf die kommende Bundestagswahl. Auch wenn "Corona" uns die letzten eineinhalb Jahre voll beschäftigt hat, so stehen doch einige andere sehr wichtige und kritische Themen an, die dringend bearbeitet werden müssen. Das Rentenproblem, der Klimawandel, die Umweltzerstörung, die Situation des Gesundheitssystems, die Personalsituation bei der Polizei, Demokratiemüdigkeit, Verschwörungsideologien, und vieles andere. Keinem der Kanzlerkandidaten und keiner der derzeit im Bundestag vertretenen Parteien traue ich zu, für all diese Probleme die richtigen Lösungen zu finden und in die Tat umzusetzen. Es gibt aber ja noch so einige andere Parteien, bei welchen sich teilweise sehr interessante Konzepte im Programm finden, und die etwas frischen Wind in die deutsche Politik bringen könnten. Allerdings finden sich diese Parteien bisher immer nur unter den "Sonstigen". Das liegt vor allem daran, dass die Sperrklausel sehr viele Bürger davon abhält, einmal andere Parteien zu wählen. Zu groß ist die Sorge, die eigene Stimme könnte verloren gehen. Die Sperrklausel widerspricht daher ganz klar den im Grundgesetz verankerten Wahlgrundsätzen "frei" und "gleich". Es zählt eben nicht jede Stimme gleich (viele werden durch die Sperrklausel "entwertet"), und die Wahl ist nicht wirklich frei, weil die Wahlentscheidung vieler Bürger durch die Hürde beeinflusst wird. Aus all diesen Gründen muss festgestellt werden, dass eine Abschaffung der Sperrklausel dringend nötig ist. Dass das immer wieder heraufbeschworene Gespenst von Weimar kein wirklich starkes Gegenargument ist, zeigt der Blick in andere europäische Staaten, wo es keine oder deutlich niedrigere Sperrklauseln gibt, und trotzdem ein stabiles demokratisches System besteht. Ich ersuche Sie daher darum, sich zum Ende Ihrer Amtszeit für eine Abschaffung der 5%-Hürde zur Bundestagswahl 2021 einzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Franz Singer

Freitag, 9. April 2021

Menschenleben im Treibhaus: das Ende der Geschichte?

Das Klima auf der Erde erwärmt sich deutlich. Das ist eine beobachtbare und messbare Tatsache. Die Ursache dafür ist eine steigende Menge von sogenannten Treibhausgasen, vor allem Kohlendioxid (CO2), in der Atmosphäre der Erde. Hierdurch wird ein größerer Anteil der auf der Erde eintreffenden Sonneneinstrahlung in der Erdatmosphäre zurückgehalten. Eine gesteigerte Sonnenaktivität als Ursache für die Klimaerwärmung scheidet dagegen aus, da die Sonnenaktivität in den letzten 50 Jahren nicht gestiegen, sondern gesunken ist. Nach derzeitigem Forschungsstand ist ein Zustand des Erdklimas mit höherer CO2-Menge in der Atmosphäre und dadurch deutlich höheren Temperaturen keinesfalls ungewöhnlich: In der bisherigen Geschichte der Erde wechselten sich diese Phasen („Heißzeit“ oder „Treibhauszustand“) mit kühleren Phasen, verursacht durch geringeren CO2-Gehalt („Kaltzeit“ oder „Eishauszustand“), ab. Das typische Merkmal der Kaltzeiten sind dabei Vergletscherungen, mindestens in den Polarregionen. Also leben wir momentan in einer Kaltzeit – genau genommen in einer etwas wärmeren Phase zwischen zwei Eiszeiten (die durch noch stärkere Vereisung gekennzeichnet sind). In den letzten etwa 500 Millionen Jahren befand sich die Erde aber etwa 80% der Zeit in einem Treibhauszustand. Berücksichtigt man die gesamte Erdgeschichte, steigt dieser Anteil sogar noch. Die Ursache dafür sind vermutlich stärkere Bewegungen der tektonischen Platten, durch welche die vulkanische Aktivität steigt, was wiederum mehr CO2 in die Atmosphäre einbringt. Man könnte demnach sagen, dass Heißzeiten der Normalzustand sind. Also Entwarnung? Keinesfalls!

Wir müssen zunächst festhalten, dass die gesamte bekannte Geschichte der Menschheit in einer Kaltzeit stattgefunden hat. Menschenleben in einer Heißzeit wurde bisher ganz einfach nicht erprobt. Ob es möglich ist, wissen wir nicht. Was wir anhand von Fossilien ablesen können ist auf jeden Fall, dass Klimaveränderungen ganz andere Arten von Lebewesen und Ökosystemen hervorbringen. Und da kommen wir schon zum nächsten Problem: Klimaveränderungen geschehen normalerweise über einen langen Zeitraum hinweg, brauchen zehntausende bis Millionen von Jahren. So hat die Natur genug Zeit, sich anzupassen und ein stabiles Ökosystem aufrecht zu erhalten. Die jetzige Erwärmung dagegen geschieht innerhalb von Jahrzehnten – viel zu schnell – was einen Zusammenbruch des Systems verursachen kann. Das fand zuletzt vermutlich durch den Einschlag eines großen Meteoriten am Ende der Kreidezeit statt, als dessen Folge große Mengen an verschiedenen Substanzen in die Erdatmosphäre geschleudert wurden, was wiederum die Temperaturen auf der Erde rapide absinken ließ und zum schnellen Aussterben der Dinosaurier führte, die zuvor über Jahrmillionen die vorherrschende Lebensform auf der Erde waren. In der jetzigen Situation kommt dazu als verstärkender Faktor, dass die Lebensweise der Menschen nicht nur eine rasante Klimaerwärmung verursacht, sondern auch die Natur großflächig zerstört und Lebensräume vernichtet. Beide Aspekte, die Klimaerwärmung und die Naturzerstörung, beschleunigen das Artensterben und die Destabilisierung der Ökosysteme. Und beide Aspekte verstärken sich auch gegenseitig: die Klimaerwärmung bewirkt starke Veränderungen in Lebensräumen bis hin zur Unbewohnbarkeit, und die großflächige Zerstörung von Wäldern erhöht die CO2-Menge in der Atmosphäre, da Bäume in großer Menge CO2 aufnehmen und in ihrem Gewebe binden. Eine insgesamt sehr kritische Situation. Nun könnte man sagen, dass Menschen doch eine sehr anpassungsfähige und erfinderische Lebensform sind und schon einen Weg finden werden, mit diesen stark veränderten Umweltbedingungen zurechtzukommen. Doch das stimmt nur in begrenztem Ausmaß. Die heutige Lebensweise der Menschheit ist sehr komplex und auf ganz spezielle Voraussetzungen gebaut. Bereits geringe Änderungen an diesen Voraussetzungen können beispielsweise die Nahrungsversorgung kollabieren lassen. Fähigkeiten und Wissen, um in den so entstehenden widrigen Situationen zu überleben, sind immer weniger vorhanden. Hat die Menschheit also selbst das Ende ihrer Geschichte bewirkt? Es liegt an uns selbst, wie die Antwort auf diese Frage schließlich lautet. Was bisher unternommen wird, reicht aber für ein „Nein“ bei weitem nicht aus.

Sonntag, 7. Februar 2021

Die Rettung der Menschheit

Mal ganz offen gesprochen: momentan sieht es nicht allzu gut aus für das Überleben der Menschheit. Und dabei spreche ich nicht von der Corona-Pandemie, die derzeit alle Welt beschäftigt. Ja, sie ist eine große Herausforderung und bringt vielen Menschen Probleme, aber eine existenzbedrohende Katastrophe ist sie nicht. Wie beiläufig häufen sich währenddessen die Warnrufe von Wissenschaftlern und Umweltschützern, dass unter allen denkbaren Szenarien für die weitere Entwicklung des Klimas und der Umweltzerstörung diejenigen am wahrscheinlichsten sind, die für das Weiterleben des Menschen auf der Erde eine ernste Gefahr darstellen. Wir leben in einem geschlossenen Ökosystem, aus dem wir nicht einfach weglaufen können. Und dieses System hat bestimmte Naturgesetze und Mechanismen, die nicht missachtet werden können, ohne dass das schwerwiegende Folgen hat. Ich habe es seit schon oft gesagt und geschrieben (das erste Mal in einem Brief an Bundeskanzler Helmut Kohl Ende der 80er Jahre): die Natur braucht uns nicht. Mit Sicherheit bleibt nach aller Zerstörung, die wir Menschen anrichten können, genug übrig, um weiteres Leben auf der Erde zu ermöglichen. Für uns selbst wird das aber nicht reichen. Wir sind eine zwar recht anpassungsfähige, aber sehr komplexe Lebensform, die zum Überleben ganz bestimmte Umweltbedingungen braucht.

Was können wir also tun? Sollten wir sagen „es ist ohnehin zu spät“ und uns noch einige Jahrzehnte fröhlichen Dahinlebens vor dem Untergang gönnen? Oder sollen wir es drauf ankommen lassen? Vielleicht haben wir ja Glück, haben den Sechser im Lotto, und es passiert nichts? Das wären doch sehr simple Lösungen, die einer angeblich intelligenten Lebensform unwürdig sind, und noch dazu dem Überlebensinstinkt (den wir alle noch in uns tragen) grundsätzlich widersprechen. Wir können mehr! Wir sind mit Gehirnen ausgestattet, die zu großen Leistungen fähig sind. Haben noch dazu vielfältige Gefühle, ein detailreiches Sozialverhalten, zahllose über Jahrtausende gewachsene Erfindungen und Technologien, und nicht zuletzt ein starkes Selbstbewusstsein. Leider sind wir trotz all dem in die Irre gelaufen. Seitdem in der „westlichen Welt“ die Aufklärung die Moralvorstellungen in Frage gestellt und der Forschung Auftrieb gegeben, die Medizin für ein starkes Bevölkerungswachstum in kurzer Zeit gesorgt, die Industrialisierung das Ausbeuten der Ressourcen stark vereinfacht, und die Kolonialisierung all das weltweit verbreitet hat, beschädigen wir unsere eigenen Lebensgrundlagen massiv. Dazu kamen schließlich als „Brandbeschleuniger“ noch die freie Marktwirtschaft und der Kapitalismus, die alles Wirtschaften auf Wachstum und Profit ausgerichtet haben. Welchen Schaden wir damit für unsere Zukunft anrichten, das haben wir zu spät realisiert. Seitdem wir es realisiert haben, haben wir zu zögerlich reagiert, weil wir zu oft befürchten, den gewonnenen Luxus und Überfluss zu verlieren. Wir müssen nun aber einsehen, dass es so nicht weitergeht. Wir müssen jetzt den Mut und die Kraft aufbringen, uns wirklich weiterzuentwickeln. Es ist Zeit für echten Fortschritt.

Wie können wir das erreichen? Dazu müssen wir demütiger und hochmütiger werden. Das klingt nach einem Widerspruch. Es folgt die Erklärung.

Die Welt, in der wir leben, ist für uns größtenteils ein Mysterium. Es gibt viel mehr, das wir nicht wissen und verstehen, als was wir mit unserem Verstand und Forschergeist erkennen können. Raum und Zeit, das Leben, unser Dasein, das ganze Universum, sind uns letztlich ein Rätsel. Wir sind winzige Figuren in einer riesigen Welt. Und wir sind von all den komplexen Zusammenhängen in dieser Welt abhängig. Daher müssen wir Demut haben gegenüber der Welt, die wir kaum verstehen, und gegenüber der Natur, deren Bestandteil wir sind und die unser Überleben sichert. Wir müssen aufhören, uns als Beherrscher und Gestalter zu sehen, und müssen wieder mehr Bewunderer und Diener unserer Umwelt werden, müssen allem, was ist und lebt, wieder mehr Heiligkeit zusprechen und uns dementsprechend verhalten. Das gilt auch für unseren Umgang miteinander. Jeder Mensch ist ein Wesen mit Stärken und Schwächen, mit Vorzügen und Fehlern, keiner ist mehr wert als der andere. Das müssen wir uns immer aufs Neue bewusst machen. Das führt zu echtem Fortschritt.

Auf der anderen Seite müssen wir uns darüber bewusst werden, dass wir mit all den Fähigkeiten, die wir haben, zu deutlich mehr in der Lage sind. Jeder einzelne, und die ganze menschliche Gemeinschaft auf dem Planeten Erde, sollte jeden Tag aufs Neue versuchen, sich zu übertreffen und Dinge besser zu machen als am Tag zuvor. Das können winzige Kleinigkeiten sein, in der Gesamtheit bringt uns das auf eine neue Höhe unserer Entwicklung. Das ist es, was ich mit „hochmütiger werden“ meine. Wir sollten viel mehr den Willen haben, ein edles, starkes Volk zu sein, das mit seinem Leben und dessen Grundlagen vernünftig, weise und liebevoll umgeht. So, als ob uns jemand beobachten würde und am Ende Noten verteilt. Für religiöse Menschen ist das oft eine Selbstverständlichkeit, andere müssen es noch erlernen. Dabei kann man auch durchaus selbst der eigene Beobachter sein. Bei Gruppen oder staatlichen Einrichtungen übernimmt die Gemeinschaft diese Rolle.

Das alles erfordert viel Anstrengung, viel Mut, und bedeutet viele Veränderungen. Aber nur so haben wir eine Chance, so können wir erreichen, dass die Generationen nach uns mit Respekt und Hochachtung auf uns schauen, statt uns die Verantwortung für die zerstörte Welt zu geben, in der sie ihr hartes Dasein mit Ausblick auf ein nahes Ende fristen müssen. Es ist keine Zeit mehr für lange Diskussionen, wir müssen schnell handeln, und alle müssen dabei helfen. Niemand ist machtlos, jeder kann seinen Teil beitragen. Dann schaffen wir den gemeinsamen Aufbruch in eine glanzvolle statt in eine düstere Zukunft, dann erweisen wir uns unserer Intelligenz und unserer Fähigkeiten als würdig.

Freitag, 8. Januar 2021

Führungskräftemangel in der Politik

Die derzeitige Krisensituation offenbart viele Probleme, die schon zuvor vorhanden waren, ganz deutlich. Eines dieser Probleme ist der Mangel an geeigneten Führungskräften in der Politik. Unsere Gesellschaft steht vor großen Herausforderungen. Umweltzerstörung und Klimawandel nehmen bedrohliche Ausmaße an. Renten-, Gesundheits-, Wirtschafts- und Bildungssystem sind dringend reformbedürftig, gleiches gilt für die Europäische Union und die NATO. COVID-19 wird nicht die letzte Pandemie sein. Und die Spaltung in der Bevölkerung wird immer größer, Gruppen mit extremen Meinungen werden immer stärker. Der richtige Umgang mit all dem erfordert viele Talente und Fähigkeiten. Die Entscheidungen derjenigen, die Regierungsverantwortung tragen, haben große Auswirkung auf das, was weiter geschieht. Kurioserweise muss man, um Politiker zu werden und das Land zu regieren, keinerlei Ausbildung vorweisen, während ansonsten fast jeder Handgriff ohne entsprechenden Nachweis der Qualifikation angreifbar oder gar illegal ist. Nun könnte man ja sagen, die Auswahl der geeigneten Personen erfolgt durch die Wahlen. Doch was, wenn keiner der zur Wahl stehenden Kandidaten wirklich geeignet ist? Aus gewissen Kreisen hörte man in den letzten Jahren oft "Merkel muss weg!". Ich stellte dann immer die Frage: "wen wollt ihr denn dann?" Darauf kam meistens nur betretenes Schweigen, oder die wenig hilfreiche Aussage "jeder andere würde es besser machen". Tatsächlich muss man sich beim Blick auf die Bundestagswahl 2021 fragen: wer soll unser Land in den nächsten Jahren leiten? Bei keinem der Politiker, die derzeit auf der öffentlichen Bühne agieren, kann ich die benötigten Führungsqualitäten in ausrechendem Maß sehen. Bei keinem habe ich das Vertrauen, dass sie oder er mit den Problemen der Gegenwart und der Zukunft umzugehen weiß und dabei den Bürgern Vertrauen und Sicherheit vermitteln kann.

Was sollten denn die Eigenschaften politischer Führungskräfte sein?

  • Weitsicht, ohne dabei die Gegenwart aus den Augen zu verlieren
  • Überblicken und richtiges Einschätzen der Gesamtsituation
  • gute Pläne und richtige Ideen für die Vermeidung und Bewältigung von          Problemen   
  • Ehrlichkeit und Offenheit
  • Probleme rechtzeitig benennen und angehen
  • Diplomatie- und Moderationsfähigkeiten sowie Kompromissbereitschaft
  • Führungsstärke ohne dabei autoritär zu sein
  • die Fähigkeit, alle Gruppen und Schichten der Bevölkerung ernst zu nehmen
  • großes Wissen und die Fähigkeit, die richtigen Berater auszuwählen
  • Fehler zugeben und korrigieren, ohne dabei ein „Fähnchen im Wind“ zu sein
  • ein guter Mittelweg zwischen „streng“ und „freundlich“
  • die Fähigkeit, den Menschen Vertrauen und Sicherheit zu geben, sie aber      auch vor echten Gefahren zu warnen
  • Die Fähigkeit, sich gegen Lobbyismus zu wehren

Frau Merkel hat meiner Einschätzung nach zumindest etwa 50% der benötigten Eigenschaften – das notwendige Mindestmaß, um einen Staat stabil und krisensicher zu regieren. Alle anderen öffentlich weithin bekannten Politiker liegen darunter. Das reicht nicht. Daher bleibt uns nichts anderes als der Mut, bei der Bundestagswahl neuen Kräften (am besten solchen aus Parteien, die bisher keine Regierungsverantwortung hatten) eine Chance zu geben, es besser zu machen.

Montag, 7. Dezember 2020

Eine Stellungnahme zur Corona-Pandemie

Eine Frage beschäftigt Deutschland gerade sehr: warum sinkt die Zahl der COVID-19-Infektionen trotz der zahlreichen Gegenmaßnahmen nicht? Das erzeugt in steigendem Ausmaß eine gewisse Frustration in der Bevölkerung, und sicher auch bei den Regierenden. Die Antwort lautet: weil wir eine Virus-Pandemie nicht mit spontanen Gegenmaßnahmen beenden können. Das zu glauben ist eine Illusion. Viren sind Organismen an der Grenze dessen, was man „Lebewesen“ nennen kann, die darauf ausgelegt sind, sich trotz aller Hindernisse weiterzuverbreiten. Es gibt nur zwei Dinge, die sie wirklich aufhalten können. Erstens: es steht kein geeigneter Wirt mehr zur Verfügung, weshalb das Virus nach einer gewissen Zeit abstirbt. Zweitens: das Virus trifft zwar auf einen geeigneten Wirt, dessen Immunsystem ist aber stark genug, den Angriff abzuwehren. Für ersteres ist unsere moderne Form des Zusammenlebens schlecht geeignet. Wir bieten Viren ein wahrhaftes Paradies, indem wir uns dicht aneinander in immer größer werdenden Städten sammeln, und indem wir uns immer weiter und immer häufiger fortbewegen, auch über Landesgrenzen und Kontinente hinweg. Und für die zweite Variante des „Sieges über die Viren“ ist es gerade schlicht und einfach die falsche Jahreszeit. Im mitteleuropäischen Winter ist das Immunsystem der meisten Menschen deutlich schwächer als im Sommer, was nicht zuletzt daran liegt, dass ein Großteil der Menschen in der dunklen Jahreszeit nicht ausreichend mit dem Sonnenvitamin D versorgt ist. Zudem verbringen im Winter mehr Menschen Zeit in geschlossenen Räumen als im Sommer, so dass die Distanzen, die Viren überwinden müssen, durchschnittlich geringer sind. Eine wirksame Impfung, die dem Immunsystem die deshalb besonders notwendige Schützenhilfe geben könnte, steht noch nicht zur Verfügung. Also: dass die Infektionszahlen derzeit nicht sinken, liegt in der Natur der Dinge. Außerdem muss man sagen: im Vergleich zu der Konsequenz und Klarheit, mit der unsere Regierenden im Frühling auf die spezielle Situation reagiert haben, ist das, was jetzt betrieben wird, ein halbherziges Durcheinander. Das neueste Paradebeispiel aus Bayern: eine Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr. Wer geht denn bitte sehr im Winter nachts hinaus, noch dazu, wenn Gaststätten, Bars und Diskotheken geschlossen sind? Das als „drastische Verschärfung“ der Maßnahmen zu verkaufen, klingt wie ein Scherz. Noch dazu sind die Regelungen je nach Bundesland und sogar Ort so unterschiedlich und werden so häufig geändert, dass immer weniger Menschen wissen, woran sie sich gerade halten sollen. Soll das jetzt heißen, man könnte all diese Maßnahmen einfach bleiben lassen, und das würde an der bestehenden Situation nichts ändern? Nein, sicherlich haben manche der Maßnahmen (wie zum Beispiel, dass sehr viele Menschen derzeit von zuhause aus arbeiten) eine gewisse Wirkung. Man sollte aber aussortieren und alle offenkundig unsinnigen Maßnahmen zurücknehmen, dafür solche Maßnahmen, die in anderen Ländern eindeutig zur Eindämmung der Pandemie beigetragen haben, konsequent übernehmen. Allem voran wäre das ein sofortiger Stopp von Ein- und Ausreise, außer in notwendigen Fällen, wobei die Definition von „notwendig“ eng gefasst werden sollte. Letztendlich müssen wir aber auf den Frühling und die Verteilung von Impfstoffen warten, vorher wird die Pandemie nicht enden. Und sie wird nicht die letzte ihrer Art sein. COVID-19 ist ein recht harmloser Virus im Vergleich zu dem, was der Menschheit noch bevorstehen könnte. Gegen die jetzige „Viruswelle“ können wir nicht mehr allzu viel unternehmen, wohl aber gegen zukünftige. In meiner „Risikomatrix für das Projekt Überleben der Menschheit“ habe ich Anfang 2019, Monate vor Corona, eine Pandemie als eines der größten Risiken aufgeführt, auf das wir uns sorgfältig vorbereiten sollten. Das ist bisher ganz einfach nicht geschehen, und man wurde – einmal wieder – von einer eigentlich vorhersehbaren Situation „vollkommen überrascht“, weil bei Regierungsentscheidungen nicht ausreichend weit in die Zukunft gedacht wird und zu viele Aspekte vernachlässigt werden. Was also können (und müssen) wir zukünftig tun? Wir müssen wieder mehr auf kleinere Siedlungsstrukturen setzen, mehr auf regionalen Handel und wohnortnahe Arbeitsplätze auch außerhalb der Großstädte. Dadurch muss auch die Menge von nationalen und internationalen Geschäftsreisen und Pendlerfahrten reduziert werden. Die Macht großer Handelsketten und Konzerne muss eingeschränkt werden, kleinere und regionale Unternehmen müssen wieder bessere Chancen haben. Das medizinische System, das in den letzten Jahrzehnten immer stärker privatisiert und immer mehr profitorientiert gestaltet wurde, muss wieder seinen eigentlichen Zweck, nämlich die flächendeckende und auch krisenfeste Gesundheitsversorgung aller Bürger, erfüllen. Dazu muss es größtenteils in staatlicher Hand sein, und wo das nicht der Fall ist, strikten Auflagen gehorchen. Wir müssen die Schulen mit mehr Räumlichkeiten und mehr Personal ausstatten, so dass kleinere Klassen gebildet werden können. Distanzunterricht und Home Schooling dagegen, wobei ein Großteil der Verantwortung für die schulische Ausbildung auf die Eltern übertragen wird, ist nur eine absolute Notlösung. Wir müssen es durch die längst überfällige Einführung eines Elterngehalts und durch eine gerechtere Lohnstruktur Eltern wieder leichter möglich machen, dass ein Elternteil für die Kinder zuhause bleibt, so dass zum Beispiel auch kranke Kinder daheim bleiben können, statt mit Husten und Schnupfen in Betreuungseinrichtungen gehen zu müssen, weil die berufstätigen Eltern nicht da sind. All diese wirklich gegen Pandemien wirksamen Maßnahmen helfen dabei auch noch in anderer Weise: für den Umweltschutz, für psychische Stabilisierung von Menschen, für ausgeglichene Sozialstrukturen und gegen die fortschreitende Ersetzung menschlicher Werte durch Profitdenken. Die COVID-19-Pandemie bringt keine neuen Probleme, sie offenbart nur die Probleme, die wir bereits hatten, ganz deutlich. Übrigens: die sich ausbreitende Meinung, die Anti-Corona-Maßnahmen würden der Gängelung und Kontrolle der Bevölkerung und der bewussten Einschränkung der Demokratie dienen, sind Unsinn. Was 2020 passiert, ist der verzweifelte Versuch von Politikern und ihren Beratern, eine bereits begonnene Pandemie unter Kontrolle zu bringen, ohne vorher langfristige Vorbereitungen für eine solche Situation getroffen zu haben. Dass das zum Scheitern verurteilt ist, habe ich bereits erläutert. Dass es trotzdem versucht wird, ist verständlich. Niemand in Regierungsverantwortung möchte sich vorwerfen oder vorwerfen lassen, nichts unternommen zu haben und für tausende von Todesfällen verantwortlich zu sein. Es ist aber zu hoffen, dass aus all dem für die Zukunft gelernt wird. Ich hoffe auch, dass endlich angefangen wird, die beschlossenen Maßnahmen besser auf ihre Verhältnismäßigkeit zu prüfen. Es nützt wenig, Beschränkungen zu beschließen, die minder wirksam gegen die Pandemie sind, die andererseits aber neue schädliche Auswirkungen mit sich bringen. Ich spreche hier zum Beispiel von den Existenznöten von besonders betroffenen Berufsgruppen, von psychischen Belastungen und zunehmender häuslicher Gewalt besonders in den engen Wohnverhältnissen von Großstädten, sowie von negativen Folgen für die Bildung von insbesondere jüngeren Schülern. In einer Hinsicht ist es allerdings sehr beeindruckend, was in diesem besonderen Jahr geschieht: die Solidarität und der Zusammenhalt, mit denen ein Großteil der Bevölkerung die teils sehr unangenehmen Maßnahmen mitträgt, um andere vor Erkrankung zu schützen, ist unerwartet hoch. Ob es hauptsächlich die Angst der Deutschen vor Regelverletzungen ist, oder tatsächlich ein an-alle-Denken statt nur an sich selbst, ist dabei zweitrangig. Wenn man das Coronajahr als eine Art erzwungenes soziales Experiment sieht, dann kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen. 

 

Dienstag, 1. Dezember 2020

Mein Tempel

Die Kirche meiner Träume. Ich nenne sie mal den „Tempel“. Auch Jesus ging in den Tempel, nicht in die Kirche. Ich könnte auch „Heiligtum“ sagen, oder „Heilige Stätte“, oder „Sanktuarium“. Hat alles etwas Heiliges, Beruhigendes. „Kirche“ ist leider oft negativ besetzt heutzutage. Liegt teilweise an der Vergangenheit, teilweise auch an der Gegenwart. Man denkt dabei leicht an große, kalte, dunkle Gebäude. Ja, die haben auch etwas, auf jeden Fall. Aber in meinem Tempel, da ist es warm, auch im Winter. Da braucht man keinen Mantel und keine Decke. Da wartet man nicht frierend auf das Ende des Gottesdienstes, sondern da fühlt man sich wohl und möchte am liebsten noch länger bleiben, und das kann man auch. Denn dieser Tempel ist immer warm, immer offen, nie vereinsamt. Kirchen wirken zwischen den Gottesdiensten oft wie eine Art Museum oder Burgruine. Mein Tempel nicht. Immer ist jemand da, hat ein offenes Ohr. Denn man muss dort seine Sorgen loswerden können. Im Gespräch, wenn man möchte. Oder in der Stille, wenn einem das lieber ist. Da ist ja jeder anders. Man braucht dafür keinen Termin. Morgens um sieben kann man kommen, oder nach dem Mittagessen, oder mitten in der Nacht. Wenn draußen die Sonne scheint, dann scheint sie auch in den Tempel, durch die bunten Glasfenster (das übrigens mag ich an den großen, alten Kirchen am liebsten: den Blick durch die bunten Glasfenster ins Draußenlicht). Und wenn es draußen dunkel ist oder trüb, dann erleuchten Kerzen den Raum. Viele Kerzen. Ihre Flammen bewegen sich vom Atem und den sanften Bewegungen der Menschen, von dem leichten Luftzug, wenn jemand zur Tür hereinkommt. So, wie die Frau oder der Mann oder das Kind gerade gekleidet ist. Denn in meinem Tempel braucht man keinen engen Anzug und kein zwickendes Sonntagskleid, keine schicken drückenden Schuhe. Da kommt man wie man ist und wie man sich fühlt. Und keiner schaut schief, auch nicht die Alten. Denn die sind da mit ihrer Weisheit und werden geschätzt. Und die Kinder mit ihrem Lachen, und werden geschätzt. Ruhig ist es. Man spricht leise, im gegenseitigen selbstverständlichen Respekt füreinander. Tränen fließen auch, denn das ist gesund für die Seele und nimmt Last von ihr. Und Lachen ist auch da, denn Erleichterung und Wohlbefinden bringt Freude. Musik, die ist wichtig. Sie ist nicht zu laut, sie ist beruhigend, kontemplativ, wie man so sagt. Meist instrumental. Wenn gesungen wird, dann sind es meditative, sich immer wieder wiederholende Gesänge, die den Geist zum Frieden führen. Die Texte der alten Lieder sind oft schwer und wirken zurechtgeschustert, damit der Reim aufgeht. Musik muss aber fließend und ebenmäßig sein. Naja, da ist der Geschmack verschieden, das stimmt schon. Jeden beruhigt andere Musik. Also vielleicht gibt es verschiedene Räume mit verschiedener Musik, vielleicht auch welche ganz ohne. Auf jeden Fall gibt es auch einen Garten. Mit Bäumen und Blumen, mit Früchten im Sommer und Eiszapfen und Reif im Winter. Einen Teich. Die Natur, ihre Schönheit und Lebenskraft, das Wasser mit seinem spiegelnden Fluss, das spendet Kraft und Ruhe. Das zeigt, wo wir hingehören. Keine zurechtgestutzten Thujen und abgemessenen Rabatten, sondern ein Garten Gottes. Drinnen und manchmal auch draußen, da gibt es Geschichten. Geschichten zum Nachdenken, zum Zuhören, zum Mitfühlen, zum sich darin Wiederfinden. Die im Kopf und im Herzen bleiben, und die man danach anderen auch erzählt, immer wieder. Alte Geschichten, neue Geschichten, auch solche, die gerade eben erst entstanden sind (die Predigt war schon immer mein Lieblingsteil am Gottesdienst). Die alten Texte der Bibel in ihrer schwer verständlichen Sprache, wen berühren sie heute noch? Menschen brauchen Geschichten, in denen sie sich selbst wiederfinden, die ihnen nahe sind. In denen es um die Gefühle von Menschen geht, um die Höhen und Tiefen ihres Lebens, die weniger Berichte von längst Vergangenem sind. Die gehören eher in den Geschichtsunterricht, aber nicht in den Tempel. Während dem Zuhören, da sitzt man auf weichen Kissen, oder man liegt, den Blick zur Decke gerichtet, an der der Schein der Kerzen tanzt. Keine harten Holzbänke, kein gezwungenes Aufstehen, wenn man gerade versunken war. Ja, mein Tempel, die Kirche meiner Träume, dort ist so manches anders und doch so manches, wie wir es kennen. Es ist ein Ort, an den Mann und Frau und Kind gerne geht. Hierhin muss niemand gerufen werden, denn alle kommen von selbst. Wenn sie sorgenvoll, überlast oder beladen sind, um sich zu beruhigen, wiederzufinden, aufzutanken. Oder wenn sie voller Kraft, Weisheit, Frieden und Freude sind, um all das mit denen zu teilen, die es gerade nicht haben. Eigentlich sollte, eigentlich könnte dieser Tempel überall sein. In jedem Haus, in jedem Heim. Jedoch wir kennen das Leben. Es ist oft so anders als es sollte. Deshalb muss der Tempel da sein, als ein Ort, an dem alles gut ist, und an dem alles gut wird, das es noch nicht ist. 

Montag, 2. September 2019

70 Dinge, die man tun kann, um die Umwelt zu schützen



Nicht jeder kann in jeder Lebenssituation alles verwirklichen, was hier aufgezählt ist, aber für jeden sollte etwas dabei sein, jede Kleinigkeit zählt.



Einwegprodukte vermeiden


Nur kaufen, was ich wirklich brauche


Einkaufstaschen oder Kisten statt Plastiktüten verwenden


Keine doppelt verpackten Artikel kaufen


Obst und Gemüse unverpackt kaufen


Produkte aus regionaler Erzeugung kaufen


Müll richtig trennen


Keinen Müll auf die Straße oder in die Natur werfen


Auf der Straße oder in der Natur liegenden Müll aufsammeln


Behälter (z.B. Zahncreme, Shampoo, Marmelade) vor dem Wegwerfen vollständig leeren


Unnötige Pflegeprodukte vermeiden


Dinge so oft und so lange wie möglich benutzen


Von allem nur so viel benutzen wie wirklich nötig


Nicht mehr benötigte Dinge an Gebrauchtwarenhöfe oder ähnliche Einrichtungen geben


Nicht mehr benötigte Dinge an Verwandte, Bekannte oder Freunde weitergeben


Dinge reparieren statt sie wegzuwerfen


Mit Dingen sorgsam umgehen, damit sie möglichst lange halten


Nicht jeden Modetrend mitmachen


Möglichst wenig Papier verwenden


Recyclingpapier verwenden


Werbesendungen abbestellen („Keine Werbung“ am Briefkasten)


Wasser sparen


Autos nur waschen, wenn sie wirklich schmutzig sind


Stop-Funktion von Toilettenspülungen verwenden


Spülmaschine erst laufen lassen, wenn sie ganz voll ist


Sich am Waschbecken waschen statt duschen oder baden


Beim Baden die Wanne nur halb füllen


Mit Kindern gemeinsam baden bzw. mehrere Kinder gemeinsam baden


Kleidung erst waschen, wenn sie wirklich gewaschen werden muss


Warmwasser mit einer Solaranlage auf dem Dach erzeugen


Beim Lüften Heizungen ausschalten


Strom sparen


Beim Verlassen des Raumes Licht ausschalten


Geräte ganz ausschalten statt Standby-Modus


Mechanische Geräte statt elektrischen verwenden


Nicht benutzte Geräte abschalten


So weit wie möglich auf Außenbeleuchtung verzichten


Bei Hausbau oder Renovierung auf gute Wärmedämmung achten


Gehen oder Radfahren statt Kraftfahrzeuge zu benutzen


Öffentliche Verkehrsmittel statt das Auto benutzen


Möglichst viele Dinge mit einer Fahrt erledigen statt mehrmals fahren


Dinge möglichst in der Nähe erledigen statt weiter weg fahren


Fahrgemeinschaften bilden


Nicht schneller als 140 km/h fahren


Flugreisen vermeiden


Den Garten naturnah gestalten


Weniger oft den Rasen mähen


Mit Regenwasser gießen


Keine versiegelten Schottergärten anlegen


Beim Rasenmähen Blühflächen stehen lassen


Blumenwiesen wenn überhaupt erst im Herbst mähen


An und zwischen großen Grundstücken Hecken und Blühstreifen anlegen


Im Garten Wildblumen statt Zuchtformen und exotischer Gewächse pflanzen


Nicht benutzte Grundstücke verwildern lassen


Bäume pflanzen


In Garten und Landwirtschaft auf Gifte und Kunstdünger verzichten


Tieren im Garten und am Haus Nistmöglichkeiten und Unterschlupf bieten


Obst und Gemüse selbst im Garten anbauen


Weniger Fleisch essen


Noch genießbare Essensreste aufessen statt sie wegzuwerfen


Nahrungsreste an Haustiere verfüttern statt sie wegzuwerfen


Milch und Eier direkt von einem Bauernhof in der Nähe holen


Nicht rauchen


Auf Feuerwerk verzichten


Parteien wählen, die für den Umweltschutz arbeiten


Mitglied einer Umweltschutzorganisation oder einer ökologischen Partei werden


Umweltschutzorganisationen unterstützen


Mitmenschen freundlich auf umweltschädliches Verhalten hinweisen


Anderen in den hier aufgezählten Dingen ein gutes Vorbild sein


Andere dazu auffordern, auch möglichst viele dieser Dinge zu tun